Bodycams können Burnout bei Polizisten verstärken

Bodycams haben zwar eine präventive Wirkung, doch die Träger fühlen sich auch überwacht und kontrolliert. | Wikimedia Commons
Bodycams haben zwar eine präventive Wirkung, doch die Träger fühlen sich auch überwacht und kontrolliert. | Wikimedia Commons

Eine wissenschaftliche Studie ging in den USA der Frage nach, wie sich Bodycams auf Polizistinnen und Polizisten auswirken. Ist das eher ernüchternde Resultat auch auf die Schweiz übertragbar?

Immer mehr Polizeikorps auf der ganzen Welt nutzen Bodycams. Auch in der Schweiz wird derzeit ein Einsatz (wieder) intensiv diskutiert. Eine Studie aus den USA hat nun erstmals den Zusammenhang zwischen Körperkameras und Burnout bei Polizeibeamten untersucht. Die Wissenschaftler um Ian Adams von der Universität Utah kommen dabei zum Schluss: Die intensive Überwachung mit Body worn cameras (BWC) kann sich in einer höheren Burnout-Rate bei Polizeibeamten äussern. Ein Burnout wird als ein Syndrom von unter anderem emotionaler Erschöpfung definiert.

Die Forscher wollten überprüfen, ob Studienergebnisse aus der elektronischen Arbeitsüberwachung (EPM) auch auf den Polizeiberuf übertragbar sei. Denn es liegen wissenschaftliche Hinweise vor, dass sich Überwachungstechnologien negativ auf das Wohlbefinden von Mitarbeitenden  auswirken können, steht in der Studie. Die Forscher haben dabei mehr als 270 Streifenpolizisten in den USA untersucht. Ihre Resultate haben Sie im Fachmagazin «Police Quarterly» veröffentlicht. 

Bodycams verringern die «wahrgenommene organisatorische Unterstützung»

Fazit der Studie: Die meisten Polizisten betrachten Bodycams als negatives Überwachungsinstrument. Und das kann zu überaus konformistischem Verhalten («by the book») führen und somit zu arbeitsbezogenem Stresserleben. Stress wiederum kann schliesslich die Burnout-Problematik verstärken. Symptome wurden mit dem Maslach Burnout Inventory (MBI) gemessen, das am häufigste eingesetzte Erhebungsinstrument. 

Die Studienautoren argumentieren dabei mit dem Konstrukt der «wahrgenommenen organisatorischen Unterstützung» (perceived organizational support). Das aus der Betriebs- und Arbeitspsychologie bekannte Modell gilt als Grad, zu dem die Mitarbeiter glauben, dass ihre Organisation ihren Beitrag wertschätzt und sich um ihr Wohlergehen kümmert und die sozio-emotionalen Bedürfnisse erfüllt. So verringern Körperkameras die wahrgenommene organisatorische Unterstützung, was laut den Forschern wiederum den Zusammenhang zwischen Bodycams und Burnout aufzeige. 

Auch für Schweizer Verhältnisse? Grundsätzlich ja, aber…

Die Studienresultate aus den USA sind allerdings nicht 1:1 auf die Schweiz übertragbar. Denn die Motive für die Einführung der Body-Cam-Technologie liegen in der Schweiz in den steigenden Zahl von tätlichen Übergriffen gegen die Polizei. In den USA sollen Bodycams hingegen umgekehrt die Bürger vor übermässiger polizeiliche Gewaltausübung und Diskriminierung schützen. 

Trotzdem ist auch in der laufenden Diskussion zu berücksichtigen, dass Bodycams nicht nur eine präventive Wirkung haben. Körperkameras können sich auch negativ auf das Wohlbefinden der Träger auswirken. Und zwar deshalb, weil sich Polizistinnen und Polizisten nicht nur sicherer, sondern auch gleichzeitig überwacht und kontrolliert fühlen können. Deshalb empfehlen die Studienautoren den Polizeibehörden auch proaktiv zu versuchen, die wahrgenommene organisatorische Unterstützung zu erhöhen. Etwa durch zielgerichtete Trainings zur Emotionsregulierung, um Belastungen im immer schwierig werdenen Arbeitsumfeld zu bewältigen. 

Die ganze Studie können Sie bei Interesse unter info@securnews.ch anfordern.|

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