So viele Teenager in der Schweiz geben sich islamistisch

Zwischen dem Konsum von Medieninhalten und den islamistisch-extremen Einstellungen besteht laut einer Studie ein mittelhoher Zusammenhang. | ZHAW
Zwischen dem Konsum von Medieninhalten und den islamistisch-extremen Einstellungen besteht laut einer Studie ein mittelhoher Zusammenhang. | ZHAW

Junge Muslime aus arabischen und nordafrikanischen Ländern stimmen in der Schweiz am häufigsten der Einführung von Gottesstaat und Sharia zu. Dies und anderes zeigt eine schweizweite Befragung der ZHAW.

Eine grosse Umfrage der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) gibt auch Einblick in den islamistischen Extremismus bei Schweizer Jugendlichen. So sind 21 von über 770 befragten muslimischen Teenagern islamistisch eingestellt. Dabei werden Befragte aus arabischen und nordafrikanischen Ländern am häufigsten als islamistisch-extrem eingestuft. Bei dieser Gruppe handelt es sich um eine Sammelkategorie, in der junge Muslime zwischen 17 und 18 Jahren aus Afghanistan, Marokko und Syrien am häufigsten vertreten sind, wobei zusätzlich auch Befragte aus Algerien, Iran, Irak und Tunesien häufiger vorkommen.

Diese Muslime stimmen gleichzeitig am häufigsten der Einführung von Gottesstaat und Sharia zu; gleiches gilt für die Dimensionen der Höherwertigkeit des Islam, der Abwertung westlicher Gesellschaften und der Schweizerfeindlichkeit. Zwischen dem Konsum von Medieninhalten (zum Beispiel Dschihad-Nashids) und den islamistisch-extremen Einstellungen besteht ein mittelhoher Zusammenhang. Die Verbindung zwischen dem Medienkonsum und dem Gewaltverhalten ist hingegen als eher schwach einzustufen. Ebenfalls ist der Zusammenhang zwischen den islamistisch-extremen Einstellungen und dem Gewaltverhalten eher gering.

Knapp die Hälfte abwertend gegenüber dem Westen

Die Resultate sind Teil einer schweizweiten Befragung mit insgesamt 776 jungen Muslimen. Davon stammen 268 aus dem Kosovo, 144 aus der Türkei, 99 aus Mazedonien, 122 aus arabische und nordafrikanischen Ländern und 139 aus anderen Ländern. Hohe Fallzahlen muslimischer Befragte gibt es in den Kantonen Zürich, Wallis, St. Gallen und Genf. Die Mehrheit der muslimischen Befragten ist sunnitisch; daneben stufen sich 149 muslimische Befragte als Schiiten, 62 als Aleviten und die restlichen Befragten als andere Muslime ein.

ZHAW

Ebenso zeigt die Erhebung der ZHAW, dass knapp die Hälfte der muslimischen Jugendlichen abwertend gegenüber westlichen Gesellschaften eingestellt ist. «Denn aus ihrer Sicht werden Muslime durch den Westen unterdrückt und die Ausbeutung durch die westliche Welt ist in ihren Augen verantwortlich für Gewalt und Krieg in den islamischen Ländern», so ZHAW-Forscher Dirk Baier, Co-Leiter der Studie. Ferner sind 28,8 Prozent feindlich gegenüber nicht-traditionellen Muslimen.

Einstellung abhängig vom Herkunftsland

Der Feindlichkeit gegenüber nichttraditionellen Muslimen stimmen Muslime aus Mazedonien am häufigsten zu. Diese Befragten weisen auch die höchste Zustimmung zu beiden Dimensionen der Gewaltbereitschaft auf, wobei dies auch für muslimische Befragte aus anderen Ländern gilt. Als insgesamt weniger auffällig sind muslimische Befragte aus dem Kosovo und der Türkei einzustufen.

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