IV-Stelle: Zwei Polizisten für Observationen zuständig

Die IV-Stelle Bern führte im Durchschnitt 25 Observationen im Jahr durch. | IV-Stelle Kanton Bern
Die IV-Stelle Bern führte im Durchschnitt 25 Observationen im Jahr durch. | IV-Stelle Kanton Bern

Die Polizei ist laut dem Direktor der Berner IV-Stelle gar nicht in der Lage, herauszufinden, ob jemand Anrecht auf eine IV-Rente habe oder nicht.

Die Berner IV-Stelle arbeitet für Observationen nicht mit externen Detektiven zusammen. Dies sagt Direktor Dieter Widmer in einem Interview mit der Zeitung «Der Bund». Die IV Stelle habe selber Spezialisten angestellt: «Zurzeit sind es zwei Personen, früher waren es vier.» Sie haben laut Widmer eine Polizeischule absolviert und verfügen über grosse Erfahrung mit Observationen.

Da Observationen zurzeit noch verboten sind, führen die ehemaligen Polizisten auch andere Arbeiten durch. Die Zahl der Observationen sei ohnehin nicht extrem gross, sagt Widmer. «Wir haben 23’000 laufende Renten und jährlich 4’500 Neuanmeldungen, führten im Durchschnitt aber nur 25 Observationen im Jahr durch». Der Verdacht liess sich dem Direktor zufolge in drei von vier Fällen erhärten.

200 Hinweise pro Jahr

Widmer sagt der Zeitung weiter, dass die Polizei gar nicht in der Lage sei, herauszufinden, ob jemand Anrecht auf eine IV-Rente habe oder nicht. «Das ist auch nicht ihre Aufgabe, sondern unsere.» Generell sei die Berner IV-Stelle sehr zurückhaltend. Es sei nicht so, dass man in der Kaffeepause plötzlich finde, es wäre wieder einmal eine Observation fällig. Observationen setze man nur als Ultima Ratio ein, so der Direktor.

Bei den Observationen gehe es fast immer um laufende Renten. In den allermeisten Fällen stehe am Anfang ein Hinweis aus dem Umfeld der Person, von Nachbarn oder Bekannten. «Wir erhalten etwa 200 solche Hinweise pro Jahr, wovon in der Regel zwei Drittel irrelevant sind», erklärt Widmer der Zeitung «Bund» weiter. Den anderen gehen die IV-Stelle nach: im Internet, in sozialen Medien, bei Ausgleichskassen, bei Migrationsämtern, oft auch mit einem Augenschein vor Ort.

Keine GPS-Tracker im Einsatz

Sozialversicherungsfachmann Dieter Widmer sieht ferner kein Problem, dass die meisten IV-Stellen private Detektive einsetzen:«Viele IV-Stellen können gar nicht anders, unser Modell würde bei ihnen nicht funktionieren, weil sie zu klein sind.» Entscheidend sei, dass die Detektive die Regeln genau kennen und einhalten.

GPS-Tracker wird die IV-Stelle Bern darüber hinaus aber nicht einsetzen. Direktor Dieter Widmer, der künftig wohl allein entscheiden wird, welche IV-Rentner im Kanton Bern observiert werden, sieht den Nutzen nicht. «Aus einem Bewegungsprofil allein lassen sich keine für den Anspruch auf Leistungen relevante Schlüsse ziehen.»

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