National- und Ständerat: Jeder vierte Parlamentarier ist Offizier

Ein Drittel der Ständeräte und ein Viertel der Nationalräte absolvierten eine Offiziersschule | VBS CC BY-NC-ND (Raphael Falchi
Ein Drittel der Ständeräte und ein Viertel der Nationalräte absolvierten eine Offiziersschule | VBS CC BY-NC-ND (Raphael Falchi)

Unternehmer, Offizier und Parlamentarier in ein- und derselben Person war früher keine Seltenheit. Heute ist diese Kombination bei der jüngeren Generation in Bundesbern aber immer weniger anzutreffen.

Die Diskussion um die Attraktivität des Militärs im Vergleich zum Zivildienst ist erneut in den Fokus gerückt. Debattiert wird aber auch hin und wieder über das Nachwuchsproblem auf Offizierstufe in der Schweizer Armee.

Bei dieser Gelegenheit lohnt sich für die Diskussion, einen Blick auf die Militär-Laufbahnen von Parlamentariern zu werfen. Früher war Unternehmer, Offizier und National- oder Ständerat in ein- und derselben Person keine Seltenheit. Heute ist diese Dreiheit aber immer weniger anzutreffen. Das ist sicher mit ein Grund für gewisse Entscheide bei Armee-Vorlagen in Bern.

Kaum noch jüngere Offiziere

So sind im Ständerat von den 39 Männern immerhin noch 14 Offiziere und ein Fachoffizier vertreten. Viele davon dürften bei einem Durchschnittsalter von 58 Jahren aber bereits ausser Dienst sein. Unter der jüngeren Generation gibt es nur ein Offizier: Andrea Caroni. Der 39-jährige Major ist wie Oberstleutnant und Sozialdemokrat Daniel Jositsch Mitglied der Militärjustiz; die Rekrutenschule (RS) hatte der heutige Rechtsanwalt als Schlagzeuger absolviert.

Quelle: Parlament

Im Nationalrat sind die Offiziere noch weniger vertreten. Von den 134 männlichen Nationalräte sind knapp ein Viertel Offiziere: 33 Offiziere und ein Fachoffizier. Und auch hier: Bei der jüngeren Generation sind es noch zwei: Verkehr- und Transportoffizier Adrian Wüthrich, ein roter Hauptmann – und Thomas Aeschi, SVP-Mann, Unternehmensberater und Oberleutnant, abverdient 2003 in Dübendorf.

Quelle: Parlament

Globalisierung, Studium, Ausland

Diese Zahlen werfen die Frage auf, warum die heutige Parlamentarier-Generation keine Offizierslaufbahn anstrebte? Wollten Milizoffiziere keine Polit-Karriere anpeilen oder strebten umgekehrt Politiker keine Offizierskarriere an? Die Antworten dürften vielfältig ausfallen.

Klar ist aber: Auch die Schweizer Wirtschaft verabschiedet sich vom Schweizer Offizier mehr und mehr. Waren Offiziere in vielen Schweizer Firmen im Management, zählt das heute weniger. Gründe dürften etwa die gleichen sein wie bei den Parlamentariern: Globalisierung, andere Karrierepläne, Studium, Ausland, medizinische Gründe oder einfach zu wenig Nutzen für das zivile Leben.

Was denken Sie? Warum ist die Zeit der Trias «Unternehmer–Offizier–Parlamentarier» langsam vorbei? Diskutieren Sie mit.

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