Traumatische Erlebnisse erschüttern Gefängnisangestellte

Was hinter den Mauern geschieht, dringt oft nicht nach aussen. Gefängnisaufseher stehen unter einer hohen psychischen Belastung. | Wikimedia Commons (Thilo Parg)
Was hinter den Mauern geschieht, dringt oft nicht nach aussen. Gefängnisaufseher stehen unter einer hohen psychischen Belastung. | Wikimedia Commons (Thilo Parg)

Die Arbeit in einer Justizvollzugsanstalt kann die psychische Gesundheit auf die gleiche Weise stören wie Kriegseinsätze im Irak oder in Afghanistan. Dies behauptet eine aktuelle Studie aus den USA.

Fast jeder fünfte von 355 untersuchten Mitarbeitern einer Justizvollzugsanstalt (JVA) äusserte Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Dies geht aus einer Studie hervor, durchgeführt von Wissenschaftlern der US-amerikanischen Washington State Universität.

Eine PTBS stellt eine verzögerte psychische Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis dar: Typisch sind die Symptome des Wiedererlebens. Weibliche Angestellte und Gefängnisaufseher mit dunkler Hautfarbe waren häufiger an PTBS erkrankt, ebenso Mitarbeitende, die seit mehr als zehn Jahren im Strafvollzug arbeiten.

Die PTBS-Rate ist damit gleich hoch wie bei Kriegsveteranen aus dem Irak oder Afghanistan, wie die Studienautoren in einer Mitteilung schreiben. Und sie sei auch höher als bei Polizisten. Die Symptome traten bei Mitarbeitenden aus allen Bereichen hervor – von der relativ einfachen Betreuung bis hin zur Bewachung im Hochsicherheitstrakt. Jeder zehnte Gefängniswärter hat zudem bereits über Suizid nachgedacht.

Ständig Angst um die Sicherheit

Die untersuchten Gefängnisangestellten des Justizvollzuges im Staat Washington hatten laut der Studie ständig Angst um ihre persönliche Sicherheit bei der Arbeit. Ein Viertel der Aufseher nahm routinemässig eine Bedrohung für sich oder die Familie wahr.

Die Arbeit in den Gefängnissen sei «erschütternd», stellen die Studienautoren Lois James und Natalie Todak fest. Die Justizvollzugsbeamten seien mit einigen der «härtesten Arbeitsbedingungen der US-Arbeiter» konfrontiert.

So hat fast die Hälfte erlebt, dass Mitarbeiterkollegen von Insassen schwer verletzt wurden. Mehr als die Hälfte hat zudem einen Häftling sterben sehen, wie die in der Zeitschrift «American Journal of Industrial Medicine» veröffentlichten Studie weiter zeigt. Auch mussten sich die meisten Angestellten mit Gefangenen auseinandersetzen, die kürzlich geschlagen und oder sexuell missbraucht wurden.

  • Lois James, Natalie Todak: «Prison employment and post‐traumatic stress disorder: Risk and protective factors», in: «American Journal of Industrial Medicine». Juni 2018 – (Abstract)

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